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Karneval und einsame Kanäle: Venedig im Winter

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Venedig fasziniert mich Zeit meines Lebens. Ich bin schon von klein auf immer wieder in die mysteriöse Lagunenstadt gereist. Das hat auch damit zu tun, dass meine Tante in der Nähe von Venedig lebt. Nun war ich das erste Mal zur Winterzeit in der Stadt. Zusammen mit Chris habe ich mir den abgelegeneren Teil des Stadtviertels Dorsoduro angesehen und den berühmten Karneval erlebt. Das Wochenende hat mich so inspiriert, dass ich schon vor Ort einen großen Drang verspürte, darüber zu schreiben. Von den vielen schönen Eindrücken habe ich ein paar ausgewählt, die mich emotional besonders begeistert haben.

Winterliches Dorsoduro: Venedigs Altstadt mit viel Muße

Am Samstag war unser Plan vor allem, eine echte handgemachte venezianische Karnevalsmaske zu kaufen, die wir jemandem als Geschenk mitbringen wollten. Dorsoduro ist für seine Museen wie z.B. die Galleria dell’Academia bekannt. Dort ist man natürlich nicht allein, aber zumindest zu dieser Jahreszeit wirkte es hier vergleichsweise ruhig. Östlich davon schlendert man durch leere Gassen, vorbei an verlassenen Kanälen. Dazwischen findet man schöne Bars und kreative Restaurants. Wenn man an solchen Orten mit mir unterwegs ist, muss man viel Zeit mitbringen, denn wenn ich schon von außen eine schöne italienische Kaffeemaschine sehen, muss ich einfach reingehen… Wir fanden Dorsoduro, seine Ruhe und sein künstlerisches Flair sehr attraktiv und könnten uns gut vorstellen, uns mal in diesem Viertel für ein paar Tage einzumieten.

Ein Spaziergang in der Blue Hour in Dorsoduro in Venedig Schöne Stimmung in der Blue Hour in Venedig Wasser in Venedig in der Blue Hour Blue hour in Venedig mit Laternen

In der Maskenwerkstatt

Masken gibt es zur Karnevalszeit in Venedig an jeder Ecke zu kaufen, jedoch in sehr unterschiedlicher Qualität. Viele Masken sind billige Importware aus China. Nach original in Venedig handgefertigter Ware muss man dagegen suchen. Fündig wird man zum Beispiel im ästhtetischen Geschäft Mistero Buffo, San Basegio, in Dorsoduro. Der sympathische Besitzer,  Leonardo Faggian, erzählte uns, dass er den traditionsreichen Beruf des Maskenbauers mit großer Leidenschaft seit 25 Jahren ausübt. Das war ihm auch anzumerken, als wir ihn beim Bemalen der Masken zusahen. Die Masken werden traditionell aus Pappmasché und Gips hergestellt und von Hand dekoriert und bemalt. Er erklärte uns auch die Unterschiede bei den Masken, die er anbietet: Masken des Theaters nach der Commedia dell’arte und Karnevalsmasken. Was eine halbe Maske von einer, die das ganze Gesicht abdeckt, unterscheidet? Sie sind „better for drinking, eating and kissing“. So stellt man sich Italien vor.

Maske von Mistero Buffo Authentische Maskenherstellung bei Mistero Buffo Katzenmasken bei Mistero Buffo in Venedig Theatermasken bei Mistero Buffo in Venedig Bunte Masken bei Mistero Buffo in Venedig Maksen vor Säulendesign bei Mistero Buffo in Dorsoduro

Nach dem Besuch in der Werkstatt schlenderten wir weiter entspannt durch das angenehm ruhige und mit vielen Kanälen durchzogene Viertel und kamen anschließend noch beim Maskenmarkt „Mercato delle maschere e dei costumi veneziani“ (Venezianischer Kostüm- und Maskenmarkt) auf dem Campo Santo Stefano in San Marco vorbei. Hier konnte man u.a. auch die schweren Umhänge für die Verkleidungen kaufen. Ich habe ein Faible für bunte Märkte. Zwar gab es hier nicht so schöne Masken wie bei Mistero Buffo, aber das Bummeln über den Markt mit vielen Masken, Gewändern und Verkleidungsutensilien fand ich anregend.

Winter in Venedig: Gemütlich in Restaurants und Cafés

Ich mag die vielen kleinen Restaurants, Bars und Cafés in Venedig und besonders nett finde ich sie bei ungemütlichem Wetter. Oft sind die Restaurants einfach eingerichtet, mit rot-weißen Tischdecken, aber für mich strahlen sie die Romantik von Susi und Strolch aus. Ich erinnere mich, wie ich als Kind glückselig in einem dieser Restaurants mit meinen Eltern bei strömendem Regen mein damaliges Leibgericht Spaghetti mit Tomatensauce aß. Daneben gibt es die gehobenen Häuser. Das Caffè Florian ist wegen seiner gesalzenen Preise und der Besucherstruktur (überwiegend Nicht-Einheimische) umstritten. Ich persönlich liebe das Florian. Das älteste Kaffeehaus Italiens gibt es seit 1720. Früher wurde es gerne von Künstlern und Intellektuellen besucht, darunter der vermutlich berühmteste deutsche Italienreisende, Johann Wolfgang von Goethe. Anders als sonst in Italien üblich nimmt man im Caffè Florian in der Regel den Kaffee im Sitzen auf plüschigen Möbeln vor goldenem Decor des 19. Jahrhundert ein. Das lässt einen an österreichische Kaffehauskultur denken. Jedoch war es ausgerechnet das Florian, in dem sich die italienischen Patrioten trafen, die gegen die habsburgischen Besatzer rebellierten. Letzere wiederum versammelten sich in einem anderen Kaffeehaus um die Ecke. Wenn ich in Venedig bin, kann ich nicht widerstehen, einen Kaffee im schönen Caffè Florian zu trinken und mich etwas vom Trubel von San Marco zu erholen. Es gibt am Markusplatz weitere Kaffeehäuser, die zumindest etwas günstiger sind. Ich fand das Caffè Florian jedoch visuell wieder einmal so ansprechend, dass ich die anderen nicht ausprobiert habe. Der Atem der großen Historie, die visuellen Reize, der Spaß hier zu fotografieren – das alles ist mir den gnadenlos teuren Kaffee wert.

Kaffee und eine Maske im Café Florian Venedig Schild über dem Café Florian Venedig Aufwändiges Decor im Café Florian Venedig Café Florian mit kostümierter Frau im Karneval Boden vor dem Café Florian in Venedig Einlass ins Café Florian in Venedig

Wintersonne in Venedig tanken

Wenn Du Glück hast wie wir, kann Dich im winterlichen Venedig ein strahlen blauer Himmel erwarten. Bei gutem Wetter sieht auch das Wasser der Lagune gleich viel attraktiver aus und erstrahlt in tiefem Blau. Diese Freude wurde uns am Sonntag zuteil. Wir haben unsere Fahrt mit dem Vaporetto (Wasser-Bus) über den Canal Grande mit seinen prächtigen Palazzi (Palästen) umso mehr genossen. Ein wenig Tee in der Thermoskanne wärmte zusätzlich auf dem Boot, während ich kreativ kostümierte Menschen in Gondeln sitzend beim eleganten Dahingleiten über den Canal Grande beobachtete. Ich fand aber auch andere interessante Motive wie z.B. Art Déco-Fassaden, oder einen Gondoliere vor einem interessanten Transparent mit der Aufschrift „No Mafia. L’Italia è sacra“. Hier bekennt sich Venedig gegen die Mafia: Keine Mafia, Venedig ist heilig. Das gute Wetter machte es mir leicht, Fotos zu schießen. Aber auch nachts bietet der Canal Grande und seine Grandezza an Palästen fantastische Motive. Der Markusplatz ist immer piktoresk, dennoch habe ich mich über den Sonnschein gefreut. Der Winter hat den Vorteil, dass das Sonnenlicht weniger hart ist.

Gondeln im Winter in Venedig Blick auf San Giorigio Maggiore von San Marco Markusplatz bei Wintersonne Markusplatz bei Wintersonne Prächtige Palazzi des Canal Grande Venedig No Mafia L'Italia è sacra.

Grandioses Finale: Karneval in Venedig

Wenn man den Karneval in Venedig erleben möchte – und das empfehle ich unbedingt – ist es ratsam, nicht direkt am Karnevalswochenende dorthin zu fahren, da man sich sonst kaum rühren kann. Am Sonntag eine Woche vor dem eigentlichen Karneval konnte man in der Altstadt und vor allem am Markusplatz viele Menschen mit interessanten und äußerst vielfältigen Masken und Kostümen bewundern. Die maskierten Leute im venezianischen Karneval lassen sich in der Regel auch fotografieren. Wer weiß, vielleicht suchen sie sogar danach, fotografiert zu werden. Von außen wirken die Menschen mit ihren starren Masken und aufwändigen Gewändern unnahbar, manchmal narzistisch. Alle waren aber offen und zeigten viel Humor, als Chris sie um ein Foto mit unserem weltreisenden Stofftier, dem Lieben Hund, gebeten hat. Ein so spezielles Hobby wie Stofftiere auf der ganzen Welt zu fotografieren bringt einen auch schnell ins Gespräch mit anderen Menschen und sie sind neugierig, wo Leute mit solchen Ideen herkommen.

Grün schwarze Kostüme im Karneval von Venedig Doppelt schöne Verkleidung im Karneval von Venedig Feuerrote Kostümierung im Karneval von Venedig Goldenes Kostüm im Karneval von Venedig Kostüm mit Spiegel im Karneval von Venedig Puppenästehtik beim Karneval von Venedig Verkleidung im Karneval von Venedig

Mein Fazit: Der Winter in Venedig ist perfekt. Obwohl ich schon oft in dieser traumhaften Stadt war, hat mir unser Karneval-Wochenende viele neue Erfahrungen geschenkt. Es gibt nichts Schöneres, als sich in dieser Zeit hier etwas zu verlieren, sich treiben zu lassen – durch einsame Gassen, entlang an stillen Kanälen und bezaubert zu sein, wenn zufällig in der Dämmerung eine Gestalt mit einer Maske vorbeihuscht…

Transparenz: Für die Entstehung des Artikels habe ich keine Unterstützung erhalten. Die Reise war selbst finanziert. Die Nennung von kommerziellen Angeboten und Links basiert auf meiner freiwilligen Entscheidung.

Wenn Dir mein Artikel gefallen hat, könnte Dich vielleicht auch mein Beitrag zum Thema Fotowalk auf Veendigs Laguneninsel Burano interessieren.

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Venedig entspannt im Winter und Karneval

Der Beitrag Karneval und einsame Kanäle: Venedig im Winter erschien zuerst auf HIDDENTRACES.


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